Aus der Gemeinderatssitzung vom 13.06.2008, Waldbegehung
Tagesordnung
Themen:
- Vorstellung des Forsteinrichters
- Erste Ergebnisse der Forsteinrichtung RobA-Rehwildbewirtschaftung ohne behördlichen Abschussplan
- Auf einer Rundwanderung von ca. 2,5 Std. werden die Bereiche Richtstatt – Lehenhalde – Vordere Owinger Halde besichtigt
2. Verschiedenes
Am Freitagnachmittag, 13.06.2008 führte der Gemeinderat im Beisein von Oberforstrat Schmidt und Revierförster Münch vom Forstamt Zollernalbkreis, Forsteinrichter Schäfer von der Forstdirektion beim Regierungspräsidium Tübingen sowie den zur Sitzung ebenfalls eingeladenen Jägern aus der Gemeinde seinen diesjährigen Waldbegang durch.
Die Sitzung begann im Schuppengebiet Vogelherd, wo sich der Gemeinderat zu einer aktuellen Bausache einen örtlichen Eindruck verschaffen sollte. Vier Landwirte wollen gemeinsam ein 120 m langes Schuppenbauwerk errichten. Neben einer Unterbringungsmöglichkeit der Gerätschaften ihrer Betriebe soll die Dachfläche auch zur Stromerzeugung genutzt werden. Jeder einzelne dieser Landwirte ist baurechtlich privilegiert, um im Außenbereich bauen zu dürfen. So wäre es nach Ansicht von Verwaltung und Bauausschuss für das Landschaftsbild vorteilhaft, nicht mehrere Schuppengebäude in der freien Landschaft sondern zusammen im Schuppengebiet zu haben. Die enorme Größe der Anlage führte jedoch zu Bedenken.
Der Schutz der Landschaft sollte mit einer öffentlich-rechtlichen Vereinbarung gewährleistet werden, in der sich die beteiliegten Landwirte verpflichten, auch bei Betriebsvergrößerungen auf weitere Vorhaben im Außenbereich zu verzichten. Die Entscheidung über die Bausache wird der Gemeinderat in seiner nächsten Sitzung treffen, vorab sollen die Fachbehörden zu dem Bauvorhaben angehört werden.
TOP 1: Vom Schuppengebiet aus startete der Gemeinderat seinen Waldbegang mit einer zweieinhalbstündigen Wanderung über die Abteilungen Richtstatt, Lehenhalde und Vordere Owinger Halde. Die Vorstellung erster Ergebnisse der Forsteinrichtung (10jähriger Planungsrahmen) und erster Eindrücke nach einem Jahr RobA-Rehwildbewirtschaftung (ohne behördlichen Abschussplan) waren dabei die Hauptthemen.
Am ersten Besichtigungspunkt stellte Revierförster Münch dem Gemeinderat den Einsatz von Wuchshüllen für die Eichenaufzucht vor. Die Hüllen lassen die Eichenpflanzen, die als erst einjährige Pflanzen bereits an ihrem endgültigen Standort gesetzt werden können, in einer Art Treibhaus und verbissgeschützt heranwachsen. Die Ausbildung der nicht mehr durch eine Verpflanzung als älterer Baumspross zu kappenden Pfahlwurzel verbessert die Standfestigkeit und verstärkt zudem den positiven Wachstumseffekt der Wuchshülle. Nach etwa 15 Jahren sprengt der Baum die Hülle. Förster Münch zeigte sich von dem Einsatz der Wuchshüllen überzeugt. In Rottenburg habe man über mehrere Jahre deren Einsatz beobachtet, und sehr gute Erfahrungen damit gemacht habe.

Oberforstrat Schäfer vom Regierungspräsidium Tübingen bereitet zurzeit das nächste Forsteinrichtungswerk vor. In der Forsteinrichtung werden für 10 Jahre die Weichen für die Entwicklung der Forstwirtschaft des beplanten Waldes gestellt. Bestandteil des Einrichtungswerkes ist eine Betriebsinventur, in der nach festgelegten Vorgaben der Wald in seinem aktuellen Bestand und Zustand aufgenommen und bewertet und dann mit den Daten der letzten Forsteinrichtung von vor zehn Jahren verglichen wird.
Die Hauptmerkmale der aktuellen Inventur sind
ein Ausbau des Laubholzanteils von 25 % auf 45 %, Naturverjüngungsanteil 67 %,
Abbau des Kiefernanteils von 30 % auf 22 %, Naturverjüngungsanteil 2 %
Abbau des Fichtenanteils von 34 % auf 22 % Naturverjüngungsanteil 20 %
Ausbau des Tannenanteils von 10 % auf 11 % Naturverjüngungsanteil 15 %
Die Hauptursache für diese teilweise recht drastischen Veränderungen liegt klar in den Auswirkungen des Orkans „Lothar“. Der starke Laubholzschub und der Ausbau der Tanne als der aufgrund der Bodengegebenheiten gegenüber der Fichte standfesteren Art beim Nadelholz sprechen nach Ansicht des Forsteinrichters für eine gute Entwicklung des Gemeindewalds, denn obgleich die Nadelholzwirtschaft als rentabler angesehen werde, stehe die Vielfalt letztendlich für die bessere Risikoabsicherung.

Die Verbisssituation zeigt sich nach den Erhebungen zur Inventur differenziert. Die Tannen sind mit einem Anteil von 49 % mittelschwer verbissen (Buche 11 %, Eiche 33 %). Die Entwicklung zeigt nach Ansicht Schäfers aber eine positive Tendenz.
Im Frühjahr 2009 wird dem Gemeinderat das endgültige Ergebnis präsentiert.
Die ersten Eindrücke und Erfahrungen nach einem Jahr Rehwildbejagung ohne behördlich vorgegebenen Abschussplan stellte Oberforstrat Schmidt den Gemeinderäten vor. Dass man auf dem richtigen Weg sei, war die hauptsächliche Aussage, allerdings könnte der Bogen noch etwas stärker gespannt sein. Denn ein formuliertes waldbauliches Ziel ist der Aufbau von Verjüngungsvorräten. Für den Ausbau des Tannenanteils gegenüber viel schneller wachsenden der Fichte gilt es, ihr einen Wachstumsvorteil zu Verschaffen. In einem Waldbild nach dieser Vorgabe überragen die Tannen deshalb die jungen Fichten. Der Appell der Forstverwaltung an die Jägerschaft hieß deshalb einfach öfter zu schießen, denn das Rehwild habe im dichten Wald unheimlich große Chancen ungesehen zu bleiben, da es zum Äsen gegenüber früheren Jahren nicht mehr gezwungen sei, vom Wald auf Wiesen zu wechseln.
Für Bürgermeister Widmaier ist das erste Jahr ohne vorgegebenen Abschussplan kennzeichnend für die bisher gute Zusammenarbeit mit den Jägern. Der Gemeinderat und die Verwaltung hätten mit dem Beschluss zur Teilnahme am Pilotversuch der Jägerschaft neue Freiheit eingeräumt und großes Vertrauen entgegen gebracht. Er hoffe nun auf gegenseitige Unterstützung bei der Umsetzung der waldwirtschaftlichen Ziele. Dass seit über acht Jahren kein Zaun mehr gebaut worden sei, belege das Vertrauen in die Jägerschaft. Wir verlassen uns auf unsere Jäger und packen sie bei der Ehre, so der Bürgermeister, auf dass der Gemeindewald aus eigener Kraft hochkommen könne, denn man müsse auch unseren Nachkommen einen gesunden und intakten Wald übergeben können.
TOP 2: Nach dem Waldbegang begab sich der Gemeinderat an die Starzel zur Mühle und den Sportanlagen, um erste Hochwasserschutzmaßnahmen zu besprechen. Entlang des Mühlegrundstückes soll eine mit einem Belag versehene Böschung angelegt werden. Die Parkplätze bei den Sportanlagen sollen geteert werden, so dass im Fall eines erneuten Hochwassers das Wasser in die unterhalb der Mühle liegenden Wiesenflächen geleitet wird.

Der Erlös des in diesem Jahr bei der anstehenden Tour de Ländle erradelten Kilometergelds, das die EnBW für soziale Zwecke zur Verfügung stellt, soll in diesem Jahr der "Hochwasserhilfe Rangendingen" zugute kommen. Neben dem Bürgermeister werden sich einige Gemeinderäte und Mitarbeiter der Gemeinde an der Tour beteiligen.
