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Sitzungsbericht vom 10.07.2009

Tagesordnung

1. Waldbegehung
    
Ergebnisse der Forsteinrichtungserneuerung 2009 - 2018 im Gemeindewald Rangendingen

TOP 1: Am Freitagnachmittag, 10.07.2009, führte der Gemeinderat seine alljährliche Waldbegehung durch, die dieses Mal unter dem besonderen Zeichen des zehnjährigen Forsteinrichtungswerks stand. Die Sitzung wurde fachkundig begleitet vom Planer der Forsteinrichtung Karlheinz Schäfer und Forstdirektor Stefan Gauckler von der Forstdirektion beim Regierungspräsidium Tübingen sowie von Oberforstrat Hermann Schmidt und Revierförster Hubert Münch vom Forstamt beim Landratsamt Zollernalbkreis.

Die Forsteinrichtung ist eine auf 10 Jahre angelegte, mittelfristige Waldplanung, aus der heraus sich die jährlichen Betriebspläne für den Wald entwickeln. Diese Form der Waldplanung wird seit Mitte des 19. Jahrhunderts durchgeführt. Sie besteht aus den drei Hauptteilen Zustandserfassung durch eine Betriebsinventur, Prüfung des Vollzugs der ablaufenden Zehnjahresplanung, sowie einer Planung für die kommenden 10 Jahre. Mit diesem Instrumentarium werden die Ziele des Gemeindewalds und der Waldbewirtschaftung festgelegt.

Der Gemeinderat verschaffte sich auf dem Weilenberg einen Überblick und einen Eindruck über die waldliche Entwicklung und wo welche Maßnahmen für eine nachhaltige Waldbewirtschaftung für die kommende Planungsphase 2009 bis 1018 von den Forstfachleuten für den 560 ha großen Gemeindewald vorgeschlagen werden. Die Erläuterungen hierzu erfolgten anhand von vier kennzeichnenden Waldbildern.

Die abgelaufene Forsteinrichtung war durch die Ereignisse „Lothar“ und dem anschließenden Käferbefall gekennzeichnet. Beide Schadensereignisse brachten die letzte Planung frühzeitig durcheinander. Ein Großteil der einschlagreifen und gewinnbringenden Bäume fiel dabei zum Opfer. Für die Zukunft empfiehlt die Forstverwaltung mäßig aber regelmäßig zu ernten. Zwischen den einzelnen Baumarten besteht waldwirtschaftlich gesehen ein komplexes und langwieriges Zusammenspiel, das als Instrumentarium zum Heranwachsen wirtschaftlich ertragreicher Zukunftsbäume eingesetzt wird. Im Anfangsstadium besteht ein Konkurrenzverhältnis unter den einzelnen Baumarten, das dazu führen soll, astfreie, gerade und gesunde Bäume als solche Zukunftsbäume herauszubilden. Später kommen die bedrängenden Konkurrenten weg, damit die schönsten Bäume ihre Kraft entfalten und große Kronen ausbilden können.

Es gelte der Grundsatz der naturnahen Waldbewirtschaftung, so die Forstvertreter. Der aktuelle Waldbestand stellt eine gute Ausgangsposition dar. 80 % des Waldbestandes wird als stabil eingestuft, da vorteilhaft gemischt (Eiche, Buche, Kiefer, Tanne). Zukünftig werde aber das Ziel weiter verfolgt werden müssen, den Fichtenanteil weiter zu Gunsten der standortgerechteren Baumarten zu verkleinern (1998: 33 %, 2009: 21 %, Zielsetzung: 13%). Die Fichte ist am risikoträchtigsten und reagiert auf Klimaveränderungen und Käfer am labilsten. Der Mischanteil von Tanne, Buche und Eichesoll ausgebaut werden. Insbesondere der Tannenanteil soll weiter erhöht werden. Auf die Einschränkung des Wildverbisses muss hier punktuell in Zusammenarbeit mit der Jägerschaft ein größeres Augenmerk gerichtet werden, bis der Tannennachwuchs eine Höhe erreicht hat, die ihn aus der Gefahrenzone bringt.

In der Kulturbilanz bezeichnete der Forsteinrichter 75 % der Flächen als voll zufriedenstellend und 25 % hinsichtlich der Erreichbarkeit der Zielsetzungen als eingeschränkt. Zur Pflege sind 150 ha vorgesehen, was einen erheblichen Aufwand mit sich bringe. Der hohe Anteil an jungen Kulturen erklärt, weshalb in den nächsten Jahren viel Geld und Aufwand für die Pflege der Jungbestände aufgewendet werden müssen. Aus diesem Grund dürfen in nächster Zeit mit Gewinnen aus der Forstwirtschaft nicht gerechnet werden.

Gemeinderat Wild nahm diese Aussage zum Anlass zu erfragen, wie der Einbruch des Walderlöses gegenüber früheren Jahren zustande komme. Für diese Entwicklung waren zwei Faktoren ausschlaggebend. Zum einen seien die Kosten für die Ernte gestiegen, andererseits aber die Erlöse aus dieser Einschlagsernte gesunken. Das Holz als Energieträger und nachwachsender Rohstoff werde aber mittel- bis langfristig an Bedeutung gewinnen und der Holzpreis damit wieder ansteigen, so die Prognose von Herrn Gauckler. Bürgermeister Widmaier sieht darin den Anlass, den Einschlag aktuell zu reduzieren und den Zuwachs zu Gunsten der folgenden Generationen Wert steigernd zu fördern.

Im Anschluss an den Waldbegang wurde die Sitzung im Sitzungssaal fortgesetzt. Hier wurden nochmals einzelne Zahlen der Forsteinrichtung mit Verweis auf die Erläuterungen vor Ort im Wald dargestellt und hervorgehoben. Innerhalb der vergangenen 10 Jahre konnte der Nadelholzanteil von 74 % auf 56 % reduziert werden.

Die Zuwachserwartungen liegen bei 331 Erntefestmeter (Efm) pro Hektar und Jahr, was einer Vorratsabnahme um 7 % entspricht.
Der Starkholzanteil soll von 10 % auf 14 % ansteigen. Der Naturverjüngungsanteil steigt von 60 ha auf 160 ha im neuen Forsteinrichtungswerk.
Die Verbisssituation hat sich in etwa halbiert. Damit liege man im Vergleich mit anderen Betrieben im Mittelfeld.


Der Vollzug der Forsteinrichtung bis 2008:
1998 waren 40.000 Efm Einschlag geplant. Die ermittelten Zahlen 2008 lagen dagegen bei 60.000 Efm, davon waren 61 % zufällige Nutzung (Sturmholz und Käferholz).

Die Planung 2009 bis 2018:
Der von den Forsteinrichtern vorgeschlagene Anteil von 40.000 Efm wird zu Gunsten der Vorratsvergrößerung auf 34.000 Efm zurückgefahren.
Kulturflächen                                        7,7 ha, davon 4,4 ha Anbau
Jungbestandspflege                     150 ha
Wertästung                                      270 Stück
Vorbau                                                  4,0 ha
Wildschutz                                            1,1 ha durch sogenannte Weiserzäune

Weitere Zielsetzungen der Forsteinrichtung sind:
- Umbau labiler Fichtenbestände in standortgerechte Mischwälder 
- Weitestgehender Nutzungsverzicht auf Extensivflächen (47 ha bzw 8%) 
- Naturnahe Waldbewirtschaftung Berücksichtigung der Biotope im produktiven Bereich, pflegliche Waldarbeit, Erhalt von Höhlenbäumen und Totholz, u.s.w.

Die Ergebnisprognose für die Planung der kommenden 10 Jahre lautet:

Unter derzeitigen Rahmenbedingungen werden ein ausgeglichenes Ergebnis und gegebenenfalls geringe Überschüsse erwartet. 
- Rückgang der Schadholznutzungen 
- Rückgang der schadensbedingten Kulturinvestitionen 
- deutliche Reduzierung der Nutzung 
- hohe Pflegefläche 
- Investition zum Erhalt der Tanne Der Gemeinderat stimmte dem Forsteinrichtungswerk für die Jahre 2009 bis 2018 einstimmig zu. 

 

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