Der Gemeindewald

Der Gemeindewald Rangendingen umschliesst auf drei Seiten an den Hängen die Gemeinde, lediglich die fruchtbare Ebene im Nordwesten ist waldfrei. Er umfasst mit den kleinen Waldteilen der Gemarkungen Höfendorf und Bietenhausen eine Fläche von gut 550 ha. Die Standortsvielfalt ist enorm: Sie reicht von grossen Stubensandsteinverebnungen mit fast lehmfreien Sanden über wüchsige, tonig-lehmige Hangstandorte bis zu vernässenden Tonen im Gipskeuper. Auch die Angulatensandsteine des Lias tragen zur Bodenbildung bei.

Schwere, tonhaltige Böden herrschen vor. Diese sind in der Regel sehr nährstoffreich und daher sehr wüchsig. In trockenen Sommern kann es aber zu wassermangel kommen. Nicht alle Baumarten können die Böden gut durchwurzeln; Stabilitätsprobleme gibt es auch aufgrund der klimatisch wenig günstigen Verhältnisse mit hohen Sommertemperaturen und relativ geringen Niederschlägen v.a. bei der Fichte; wesentlich besser schneiden Weißtanne, Eichen und Buchen ab.

So ist der Regionalwald ein submontaner Buchen-Eichenwald mit Tanne. Unter einem Regionalwald versteht man die Waldgesellschaft, die in einem bestimmten Gebiet vorherrschte, bevor der Mensch in den "Naturwald" eingriff. Die Buche war einst die mit weitem Abstand dominierende Baumart.

Heute (Stand 1998 vor Orkan Lothar) nimmt sie nurmehr einen Flächenanteil von 10% ein, genausoviel wie die Eiche. Sonstige Laubbäume kommen auf einen Anteil von 4%. Die Nadelbäume überwiegen mit 76% der Fläche deutlich (Fichte 33%, Kiefer 32%, Tanne 11%).

Der Orkan Lothar vom 26.12.1999 hat erhebliche Schäden im Gemeindewald verursacht. So fielen Schadhölzer in einem Umfang von nahezu 25.000 fm an. Dies bedeutet einen über 6fachen Einschlag eines normalen Jahres. Hierbei sind auch erhebliche Kahlflächen entstanden, die im Wege der Pflanzung v.a. mit Eichen oder mit Naturverjüngung wieder bestockt werden.

In "Normaljahren" konnten im langjährigen Schnitt aus dem Gemeindewald Rangendingen Erträge in Höhe von ca. 70.000 DM erwirtschaftet werden. Ein Teil dieses Überschusses konnte wieder in notwendige Wegeneubaumaßnahmen investiert werden. In den nächsten Jahren dürfte es nach dem Orkan Lothar schwierig werden ausgeglichene Betriebsergebnisse zu erreichen.

Neben der wirtschaftlichen Bedeutung hat der Gemeindewald jedoch auch wichtige Funktionen für die Allgemeinheit zu erfüllen. Auf mehr als der Hälfte der Waldfläche sind diese gesetzlich festgelegt, wie Wasserschutzwald oder Landschaftsschutzgebiete und durch die Waldfunktionen- und Waldbiotopkartierung dokumentiert.

Nun noch zu einigen "historischen" Besonderheiten im Gemeindewald:

  • Die Stubensandsteinverebnungen sind von größeren und kleineren Schürfgruben übersät. Hier wurde noch bis 1955 Sand geholt.
  • Wie überall im hiesigen Raum war die Waldweide auch in Rangendingen sehr verbreitet. Der Abteilungsname Viehtrieb weist darauf hin. Die Versauerungstendenzen im Oberboden sind auch heute noch auf die Beweidung zurückzuführen.
  • Der Hang zum Mönchgraben weist eine kleine Zwischenverebnung auf, auf der einst ein Waldbruderhaus gestanden hat. Dieses wurde bereits 1440 vom Bischof von Konstanz bestätigt. Heute zeugen nur noch wenige Steintrümmer von seiner Existenz.
  • In der Abteilung Hochburg stand einst eine keltische Fliehburg, die von einem heute noch sichtbaren dreifachen Wall umgeben war.
  • In den Gewannen Lehnhalde und Richtstatt wurden 1947 sogenannte Franzosenhiebe durchgeführt. Sämtliches Holz wurde von den damaligen Besatzern eingeschlagen und über den Bahnhof Hart abtransportiert. Die nachfolgenden Fichtenaufforstungen sind jetzt durch den Orkan Lothar schwer geschädigt worden.
  • Der Abteilungsname Richtstatt deutet hier nicht auf eine ehemalige Richtstätte hin. Vielmehr wurde dort wie um die Jahrhundertwende noch allgemein üblich das Holz im Wald zu Bauzwecken "gerichtet", Es wurde vor Ort geschlagen, gestapelt und aufgeschichtet und durch die Luft getrocknet. So verlor das Holz erheblich an Gewicht und war leichter zu transportieren. Nicht nur an der Richtstatt wurde so vorgegangen, ebenso beim "Zimmerhäusle" und auf "'s Kaspar's Zimmerplatz" im Wolfental

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Herr Johann Widmaier

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